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Egons 500 Km Rennen auf der Nordschleife im Jahr 2007

Unterwegs mit Michael´s Weisheidinger Commodore B, von hinten schiebende und drängelnde BMW E30, die meisten sind Fahrer im Langstreckenpokal!

Dann mein Fehler: Ich verlasse die Ideallinie um die "Verrückten" durchzulassen, zwei BMW´s schiessen an mir durch, es wird eng, der eine drückt mich auf den Grünstreifen, keine Chance zu Bremsen und dann folgt der ungebremste Einschlag mit 110 Km/H in die Reifenmauer.

Mein erster Gedanke: Michael wird mich umbringen! Schließlich habe ich sein Baby richtig kaputtgemacht! Das Ausmaß des Unfalls wurde dann im Fahrerlager der Yountimertrophy sichtbar:

Ich hatte Michael - nachdem er mir anbot mit seinem Commodore Egons 500 zu fahren - gefragt, was denn wäre, würde ich sein Auto zerstören . Er sagte: "Dann nimmst du ihn mit und baust ihn wieder auf!"

Als ich mit seinem Commo auf dem Abschleppwagen dann im Fahrerlager ankam, erwartete ich einen vor Wut kochenden Besitzer, der mir alle Schande sagen und mich hassen würde!

Aber weit gefehlt: Er nahm mich in den Arm und sagte nur: "Zum Glück ist dir nicht viel passiert. Komm laß uns eine Flasche Sekt trinken, alles andere sehen wir dann später."

Rainer - ein Bekannter - hat mir dann angeboten, den Wagen mit nach Herbolzheim zu nehmen.

Daheim in der Werkstatt habe ich dann die Überreste des Vorderwagens zerlegt. Es bot sich ein Bild des Grauens: Das linke Stehblech bestand nur noch aus Falten, die komplette Front war krumm, der Rahmenträger an drei !!! Stellen abgeknickt!

Die Spritzwand zur Fahrgastzelle war so eingedrückt, dass das Steuergerät - welches unter dem Armaturenbrett verbaut war - sich nicht mehr ausbauen lies.

Man stelle sich vor: Vorn rechts war der Einschlag und in der hinteren, linken Seitenwand war dadurch eine Delle entstanden! Der "Schuß" ging durch die komplette Karosserie, was auch gut am krummen Tunnel sichtbar war!

Nun ist es ja so, dass dieser Wagen ein originales Rennfahrzeug aus den Siebzigern von Johann Weisheidinger ist, mit über 140 Eintragungen im Wagenpass! So eine Karosserie kann man nicht einfach gegen eine andere - nicht mehr originale- Karosserie austauschen. Mein Glück war, das Alwin Goth eine viertürer Schlachtkarosserie mit einer guten Front übrig hatte! Das war die Chance um sehr günstig an die benötigten Blechteile zu kommen.

Doch bevor nur ein Gedanke an Blechtauschen verschwendet werden konnte, musste die Karosserie für die ersten 15 Stunden auf die Richtbank, um den "Schuß" - der ja längs durch das Auto verlief - heraus zu ziehen!

Was dann folgte, war eine Quälerei: einen halben Vorderwagen incl. Rahmen mit Getriebehaltern, Vorbau und Stehblech aus dem Schlachtauto ausbohren, verschleifen, sandstrahlen und grundieren.

Danach ging es zum zweiten Mal für 15 stunden auf die Richtbank um die Stehwand zu Dengeln, den "neuen" Vorderwagen einzupassen und einzuschweißen.

 Und das hier ist Sven Schultz, ein Genie was die Arbeiten auf der Richtbank angeht!

Paralell dazu wurde eine gebrauchte Vorderachse generalüberholt und somit in Neuzustand versetzt und Kotflügel und die Motorhaube innen sandgestrahlt.

Die "Problemzone" Tunnel machte mir einige Kopfschmerzen: Das Teil wurde an so vielen Stellen schon geschweisst, aber die Risse - durch die gnadenlosen Renneinsätze hervorgerufen - kamen immer wieder! Die Lösung: Einen zweiten Tunnel einschweißen. Auch die homologierten Verstärkugsbleche fanden ihren Weg wieder an den Rahmenträger.

Danach folgte der Lackaufbau im Motorraum und den Radkästen und der Einbau der neuen Achse und des Antriebstrangs.

 Dann das übliche: Kotflügel und Motorhaube einpassen, Lackaufbau, Lackierung und Zusammenbau.

Und dann, nach über 210 Stunden Arbeit, verteilt über 6 Monate war er wieder ganz :-) und der Besitzer Michael war mehr als begeistert!

 

 Beim 500 Km Rennen 2008 war er damit wieder auf der Nordschleife unterwegs!

Veröffentlichung des Fotos mit freundlicher Genehmigung von Herr Merkle, www.racepicture.de

Und was habe ich daraus gelernt? Es gibt Menschen, die wahre Größe haben und dazu gehört mein Freund Michael Preising, der Besitzer des Wagens. Obwohl ich ihm eine komplette Rennsaison kaputt gemacht und für die Reparatur seines Autos über ein halbes Jahr gebraucht habe, hat er mir nie Vorwürfe gemacht oder blöde Sprüche geklopft!

Uwe Göller

Seite zuletzt geändert am: 27.05.2010, 21:51 von Administrator